Kaffeewissen

Ein weltweiter Genuss

Dem Kaffee nachspüren bedeutet, sich auf eine Weltreise zu begeben. Seine Wurzeln liegen in Afrika, genauer gesagt in Äthiopien. Im Heimatland des Kaffees und in vielen anderen Teilen Zentralafrikas wird Kaffee im Rahmen einer ausgedehnten Zeremonie genossen, die zum Teil mehrmals täglich durchgeführt wird. Die Frau des Hauses röstet dazu Rohkaffee in einer Metallpfanne über offenem Feuer. Die Bohnen werden dabei sehr dunkel geröstet, mit einem Mörser von Hand zu einem Pulver zerstoßen und in kochendem Wasser mehrmals aufgebrüht. Häufig wird der starke Kaffee, von dem traditionell drei Tassen getrunken werden, mit Kardamom verfeinert.

Von den Wurzeln in Afrika gelangt der Kaffee in den Orient und schließlich nach Europa.

Von Afrika bahnte sich der Kaffee seinen Weg nach Vorderasien und in die arabisch-islamische Welt, wo sich erstmals Kaffeehandelszentren mit großer Reichweite etablieren konnten. Dies führte zur Entstehung einer besonderen Kaffeehauskultur, bei der die Entspannung vom hektischen Treiben und der gemütliche Austausch mit anderen Gästen im Vordergrund stand. Auch hier wurde und wird der Kaffee für gewöhnlich sehr stark getrunken. Eine der bekanntesten Zubereitungsmethoden ist die türkische Art, bei der frisch gemahlenes Kaffeepulver von kräftig gerösteten Bohnen in einer Mokkakanne mehrmals aufgekocht wird und anschließend ungefiltert mit Kaffeesatz serviert wird.

Über die Basare des Orients gelangte der Kaffee schließlich nach Europa, woraufhin sich zahlreiche ländertypische Kaffeekulturen entwickeln konnten. Die Franzosen trinken ihren Kaffee gerne mit dem selben Anteil Milch aus einer großen Schale zum Frühstück (Café au lait), zur Zubereitung werden vorwiegend Handfilter oder eine French Press benutzt. In den Straßencafés werden auch verschiedene Espressovarianten angeboten, die Hochburg für Espresso liegt aber in Italien: Überall wo ein Tresen ist, ist hier in der Regel auch eine hochwertige Espressomaschine zu finden. Ob pur, als Caffe Corretto mit einem Schuss Grappa, als konzentrierter Ristretto oder mit aufgeschäumter Milch im Frühstücks-Cappuchino: Alles dreht sich um den kleinen Schwarzen.

Jedes Land hat seine Kaffeekultur, vom Garoto, Risretto bis zum Einspänner.

Auch die Iberer lassen sich trotz hoher Temperaturen nicht vom Kaffeegenuss abhalten. Der spanische Café con leche und der portugiesische Galao ähneln dem deutschen Milchkaffee. Wer weniger Milch bevorzugt bestellt in Madrid einen Café cortado und in Lissabon einen Garoto, Puristen greifen in Spanien zum schwarzen Café solo und in Portugal zum Bica, einem doppelten Espresso.

In Deutschland hat vor allem der Filterkaffee eine lange Tradition, inzwischen greifen jedoch immer mehr Deutsche auf die Kaffeespezialitäten aus Italien und Frankreich zurück. Eine ganz eigene Kaffeekultur wird in Österreich gepflegt: Das Kaffeehaus wird als Ort der Entspannung geschätzt, in der man es sich in geselliger Runde oder alleine mit einer der ausliegenden Zeitungen gemütlich macht, oft bei einer Zigarette. Neben dem klassischen "Schwarzen" und dem "Braunen" mit Milch werden verschiedene Spezialitäten mit Schlagsahne serviert, wie zum Beispiel der "Einspänner" aus Mokka, Schlagsahne und Puderzucker.

In Nordamerika konnte sich in den letzten Jahrzehnten die Coffeeshop-Kultur fest in den urbanen Räumen verankern. Es werden europäische Spezialitäten serviert und in unzähligen Varianten abgewandelt, zum Beispiel mit verschiedenen Sirupen oder Eis. Neben den großen Coffeeshop-Ketten hat sich in vielen Städten eine blühende Baristi-Szene gebildet, die in kleinen Cafés dem Purismus mit hochwertigen Rohstoffen frönt. Die vielleicht größte Erfindung der amerikanischen Kaffeekultur ist zwar streitbar, aber mittlerweile überall in Europa anzutreffen: Der Coffee-to-go im Pappbecher zum Mitnehmen.

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