Die Kaffeehauptstadt

Hamburg

Mit der Speicherstadt als internationalem Handelszentrum entwickelte sich Hamburg im 19. Jahrhundert zur Kaffeestadt. Im Jahr 1887 eröffnete die Warenterminbörse für Rohkaffee im Block O der Speicherstadt. Die emsigen Kaufleute unterhielten exzellente Beziehungen nach Lateinamerika, der Kaffeehandel in Deutschland erlebte einen ersten Boom. Wo viel Kaffee ist, sind selbstverständlich auch die Röstereien nicht weit, sodass an mehreren Orten in Hamburg Kaffee frisch vom Röster bezogen werden konnte.

Durch exzellente Beziehungen nach Lateinamerika wurde Hamburg zur bedeutensten deutschen Kaffeestadt.

Im Zuge des ersten Weltkriegs kam der Hamburger Kaffeehandel zum Erliegen. Aufgrund der Inflation kam er auch nach dem Krieg nur sehr schleppend wieder in Gang, sodass die Kaffeebörse erst im Jahr 1925 wiedereröffnen konnte. Zu Zeiten der Weimarer Republik war die Einfuhr von Kaffee gesichert, jedoch staatlich stark reglementiert.

Im zweiten Weltkrieg wurden bis zum 50 Prozent der Speicherstadt zerstört, unter Anderem der komplette Block O, in dem die Kaffeehändler ansässig waren. Der Wiederaufbau fand in den Fünfzigerjahren statt: Zwischen 1955 und 1959 baute der Hamburger Architekt Werner Kallmorgen ein neues Bürohaus in Block O, die neue Kaffeebörse und ein neues Lagerhaus.
Der Handel und das Geschäft der Hamburger Röster nahm langsam wieder an Fahrt auf, was sich einige Großröstereien in Hamburg und Bremen zunutze machten. In den folgenden Jahren gewannen sie immer mehr Marktanteile, von 2000 westdeutschen Röstereien im Jahr 1950 waren zwanzig Jahre später nur noch weniger als ein Viertel übrig.

Viele neue Kleinröster bescheren der Kaffeekultur in Hamburg erneut einen Boom.

An der Marktmacht der Großröster hat sich bis heute kaum etwas geändert, doch in der Nische erlebt die Kaffeekultur der Kleinröster in den letzten Jahren einen erneuten Boom. Kleine Hamburger Kaffeehäuser und Röstereien konnten sich unter Kennern einen exzellenten Ruf erarbeiten, indem sie auf sorgfältige Handarbeit, Direkthandel, hochwertige Rohstoffe und Röstprofile mit Wiedererkennungswert gesetzt haben.

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